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Kung Fu-Geschichte

Erste historische Quelle


Die Zuschreibung der Shaolin-Kampfkunst zu Bodhidharma ist von Kampfkunst-Historikern immer wieder als historisch nicht belegbar bezeichnet worden, zuerst von Tang Hao, der 1930 gezeigt hat, dass das Buch Yi Jin Jing, auf dem diese Zuschreibung basiert, eine Fälschung ist. Der älteste historische Beleg für eine Beteiligung des Shaolinklosters an kriegerischen Auseinandersetzungen ist eine Stele aus dem Jahr 728, die die Beteiligung an zwei historischen Ereignissen beschreibt, nämlich die Verteidigung des Klosters gegen Banditen im Jahr 610 und seine Beteiligung am Sieg der Tang-Dynastie über Wang Shichong in der Schlacht von Hulao im Jahr 621. Darüber hinaus wird die Patronage der Tang-Dynastie für das Kloster erwähnt. Es finden sich jedoch keinerlei Hinweise auf irgendwelche speziellen Kampfkunstfähigkeiten der Shaolinmönche.

Quellen aus der Zeit der Ming-Dynastie


Bis zum 15. Jahrhundert existiert kein weiterer Beleg für eine kriegerische Betätigung der Shaolinmönche. Aus dem 16. und 17. Jahrhundert existieren mindestens 40 Quellen, die von speziellen Kampfkunstfähigkeiten der Shaolinmönche berichten. Diesen Quellen zufolge sind in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus dem gesamten von der Ming-Dynastie beherrschten Reich Militärexperten ins Shaolinkloster gereist, um diese Kampfkunstfähigkeiten zu studieren. Die Quellen sprechen insbesondere von waffenlosen Kampfformen, von Speer- und Stockfechttechniken.

Das älteste überlieferte Handbuch über Shaolin-Kampftechniken, die „Abhandlung über die originale Shaolin-Stockkampf-Methode“, wurde um 1610 verfasst und 1621 veröffentlicht. Sie berichtet davon, was ihr Autor, Cheng Zongyou, in seinem mehr als zehnjährigen Aufenthalt im Shaolinkloster gelernt hatte.

Der Geograph Zheng Ruoceng hat in der detailliertesten Quelle des 16. Jahrhunderts überliefert, dass im Jahr 1553 ein Wan Biao von der Nanjing-Militärkommission Mönche als Kämpfer gegen marodierende Piraten angeheuert hat, unter ihnen Mönche aus dem Shaolinkloster. Mönchskrieger waren dieser Quelle zufolge an mindestens vier Schlachten beteiligt.

Entstehungslegenden


Viele Informationen über die Shaolin-Kampfkunst basieren auf Legenden und Mythen.

Als Vorläufer der Shaolin-Kampfkunst werden demnach vor allem die in der Qin- und der Han-Dynastie praktizierten Formen des Zweikampfes angegeben, z. B. Jiaodi (Kämpfer setzten sich Hörner auf und attackierten einander mit diesen) und Shoubo (Ringen). Die Mönche des Shaolinklosters sollen bereits ab dem 2. Jahrhundert das vom Arzt Hua Tuo entwickelte System der 5 Tiere (Wu-Qix-Xi) geübt haben, was aber eher gesundheitlichen Zwecken diente. Der Tempelvorsteher Zhou Jing hatte Legenden zufolge zwei Kampfkunstmeister ins Kloster bestellt, die seine Mönche gegen Raubüberfälle wappnen sollten. Erst als 426 eine Befestigungsanlage des Kaisers und die dort stationierten Soldaten für die Sicherheit des Klosters sorgten, wurde diese Praxis wieder aufgegeben.

Der Ursprung der Shaolin-Kampfkunst wird auf den indischen Mönch Bodhidharma (chin. 菩提達摩, Pútídámó, jap. Bodai-Daruma oder Daruma) zurückgeführt, der um 512 ins Kloster kam, um dort den Chan-Buddhismus (= Zen-Buddhismus) einzuführen. Er musste angeblich feststellen, dass die dortigen Mönche nicht genug Ausdauer hatten, die viele Stunden dauernden Meditationsübungen durchzuhalten. Ausgehend von verschiedenen Yoga-Übungen soll er deswegen eine tanzähnliche Übungsreihe entwickelt haben, die als Shi-ba-luo-han-shou (die 18 Hände des Buddha) berühmt wurde. Sie sollen aus den Techniken des indischen Vajramushti hergeleitet sein. Dazu verfasste er zwei Sutras, Yi-jin-jing („Transformation der Sehnen und Bänder“, verschiedene Atemtechniken zur Verbesserung der Ausdauer) und Xi-sui-jing („Waschung des Marks“, zur Entwicklung von Selbstdisziplin und innerer Stärke). Sinn der Übungen war primär, den Körper ausreichend zu stärken. Bodhidharma soll außerdem das Wu-de („Kampfkunsttugend“)entworfen haben, welches zu Disziplin, Selbstbeherrschung, Bescheidenheit und Achtung vor dem Leben mahnte. Da sich in der Praxis zeigte, dass die so Trainierten auch erfolgreicher bei der Selbstverteidigung waren, begann man die Übungen auszuweiten. Der Stil wurde sowohl um tänzerische Elemente als auch um Selbstverteidigungstechniken erweitert.

Die Zahl der Anhänger der Lehre des Chan-Buddhismus stieg rasch an, und mit ihr die Zahl der Menschen, die ins Kloster pilgerten, um dort die Shaolin-Kampfkunst zu erlernen. Meng Zhang führte als Klostervorsteher 529 streng geregelte Aufnahmeverfahren, Übungsfolgen und Hierarchien ein. Die Nahkampf-Methoden wurden schriftlich festgehalten und in einem Raum mit sieben Siegeln verwahrt (leider gingen diese Manuskripte bei einem Brand verloren).

Eine umfangreiche Reform führte der Shaolin-Mönch Jue Yuan im 14. Jahrhundert durch. Ab diesem Zeitpunkt umfasste das System 72 Übungen, zu denen Schläge (Da), Tritte (Ti), Würfe (Shuai), Griffe (Qinna) und Methoden zur Stimulation von Vitalpunkten (Dianxue) gehörten. Die Übungen sind unter verschiedenen Namen bekannt, z. B. Di-sha-shou („Teufelshand“) oder Zuo-ku-shu („Kunst der schmerzhaften Zwingen“). Er arbeitete außerdem Bodhidharmas Kampfkunsttugenden zu den „10 Regeln des Shaolin Quanfa“ aus, die die Grundlage heutiger Dojukuns sind. Um das System weiter zu perfektionieren, reiste Jua Yuan durch das Land, auf der Suche nach Kampfkunst-Experten. Zusammen mit seinem Arzt konnte er Bai Yu Feng zu einer gemeinsamen Arbeit bewegen, die schließlich zu den fünf Tierstilen führte. Diese Übungen wurden oft den Bewegungen von Tieren aus der chinesischen Astrologie nachempfunden, weil man hoffte, so Instinkte und Fähigkeiten der imitierten Tierarten erwerben zu können. Insgesamt 170 Aktionen verteilten sich auf folgende Bewegungstypen:

* Drache (long) – Techniken zur geistigen Entwicklung (eine Art „Mentaltraining“)
* Schlange (she) – Dehnungstechniken
* Tiger (hu) – Techniken zur Stärkung von Knochen und Muskeln
* Leopard (pao) – Training von Schnelligkeit, Koordination und Ausdauer
* Kranich (he) – Techniken zur allgemeinen Kräftigung und Vitalitätssteigerung

Diese mussten nun alle Shaolin-Schüler im ersten Ausbildungsjahr vollständig lernen.